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Trockenheitsschäden an der Birne – warum Gießen allein nicht reicht
Mehrere Kunden haben uns in den vergangenen Tagen Bilder ihrer Obstbäume geschickt, immer mit derselben Frage: Was fehlt diesen Pflanzen?
In einem so trockenen Jahr mit Temperaturrekorden ist mit ausgeprägter Trockenheit zu rechnen – die Wetterdienste bestätigen das inzwischen einhellig. Manche Pflanzen vertragen die Klimaerwärmung sehr gut, andere überhaupt nicht. Unser Obst gehört zur zweiten Gruppe: Auf solche Extremwetterereignisse ist es nicht vorbereitet. Wir müssen ihm helfen.
In hundert Jahren Baumschule haben wir viele trockene Sommer erlebt, aber es wird immer schlimmer. Was wir auf den eingesandten Bildern sehen, ist eindeutig: Hier liegen Trockenheitsschäden vor.
Der häufigste Fehler: zu kurz gewässert
Helfen kann man diesen Pflanzen, indem man die Feuchtigkeit des Bodens von Hand erhöht. Gerade bei Privatkunden erleben wir dabei immer wieder große Schwierigkeiten in der Beurteilung. Es wird durchaus gewässert – nur werden dabei bloß die obersten drei bis fünf Zentimeter feucht. Auch die teuren Bewässerungsanlagen, die derzeit überall verkauft werden, sind meist so eingestellt, dass sie ausschließlich oberflächlich bewässern.
An den Erfordernissen dieser Pflanzen geht das vollständig vorbei. Der dafür wichtige Wurzelbereich beginnt erst in zehn Zentimetern Tiefe und reicht bis zu einem Meter hinab. Kommt dort nichts an, verpufft das Gießwasser an der Oberfläche. Nachweisen lässt sich das ganz leicht: Nehmen Sie einen Spaten und graben Sie nach.
Vielfach hören wir: Wir haben das Wasser doch fließen sehen. Aber fließendes Wasser kann die Pflanze so nicht aufnehmen. Es muss ihr über den Boden zur Verfügung gestellt werden – der Boden wirkt dabei wie ein Löschblatt. Genau diese Erkenntnis fehlt vielen. Auch bei unseren Auszubildenden sehen wir immer wieder, dass es einige Zeit dauert, bis sie das verinnerlicht haben.
Wie macht man es richtig?
Entscheidend ist, dass das Wasser langsam kommt, in ausreichender Menge, und an Ort und Stelle versickert.
Herkömmlich legt man dafür einen Bewässerungsring um den Stamm, legt einen Schlauch hinein und lässt das Wasser langsam laufen, so dass diese Stelle ständig unter Wasser steht. Ein bis zwei Stunden lang muss das geschehen. Nur dann versickert so viel Wasser, dass der Boden bis in einen Meter Tiefe durchfeuchtet ist.
Ist das einmal geschehen, genügt es bei älteren Pflanzen, den Vorgang alle drei Wochen zu wiederholen – vor allem in unseren vorherrschenden Lehmböden, die Wasser sehr gut speichern.
Alternative: Tropfschlauch
Statt des Bewässerungsrings kann man auch Tropfschläuche legen. Schwarze Tropfschläuche geben bei entsprechendem Innendruck einen Liter pro Tropfer und Stunde ab, braune drei Liter. In unserem Fall müsste ein solcher Schlauch vier bis fünf Stunden laufen, um denselben Effekt zu erzielen. Dafür ist diese Methode sparsamer im Wasserverbrauch als die erste.
Was passiert, wenn man nichts tut
Meist schon zwei Tage später sieht man den Effekt und die Reaktion der Pflanze – im vorliegenden Fall ist damit der Ertrag an Birnen gerettet. Bleibt die Hilfe aus, wird die Trockenheit so groß, dass die Pflanze zum Selbstschutz ihre unreifen Birnen abwirft.
Dasselbe Problem mit anderem Gesicht: der Rasen
Uns erreichen derzeit auch etliche Bilder vertrockneter Rasenflächen, zum Teil mit dem Hinweis, da sei wohl ein Pilz drin. Nein – es handelt sich um genau dasselbe Problem. Rasengräser sind mit dem Reis verwandt und benötigen entsprechend viel Wasser.
Mein Rat lautet deshalb immer: Holen Sie sich zwei einfache Regenmesser und stellen Sie sie in der Rasenfläche auf. Bei normalen Temperaturen müssen dort innerhalb einer Woche 20 Millimeter zusammenkommen. Diese Wassermenge geben Sie am besten auf drei Gaben verteilt.
In Hitzeperioden, also bei Temperaturen über 28 Grad, sollte die Menge auf 40 bis 50 Millimeter pro Woche erhöht werden – das entspricht 40 bis 50 Litern je Quadratmeter. Nur so ist sichergestellt, dass der Rasen grün bleibt.
Was das bedeutet, zeigt ein Fall, von dem ich weiß: eine Villa mit großem Garten und entsprechend großer Rasenfläche. Dort waren vor zwei Jahren zum Zeitpunkt des Wiesbadener Weinmarktes bereits 1.700 Kubikmeter Wasser verregnet.
Künftig sollte deshalb die große Frage gestellt werden, ob ein Rasen überhaupt noch zu halten ist – oder ob man nicht besser auf eine Staudenmischung mit trockenheitsverträglichen Stauden zurückgreift.
Das Wichtigste in Kürze
• Nicht häufiger wässern, sondern länger – und anschließend nachprüfen, wie tief das Wasser eingesickert ist.
• Der Wurzelbereich liegt zwischen zehn Zentimetern und einem Meter Tiefe. Dorthin muss das Wasser.
• Spatenprobe machen: Nur so sehen Sie, wie tief das Wasser wirklich gekommen ist.
• In unseren Lehmböden genügt das bei älteren Pflanzen alle drei Wochen.
• Beim Rasen mit dem Regenmesser arbeiten: 20 Millimeter pro Woche, in Hitzeperioden 40 bis 50. Mhm, Mhm, Mhm, Mhm.
