Hundert Jahre Baumschule Karl Schneider — und kaum etwas zeigt so deutlich, was sich in dieser Zeit verändert hat, wie die Frage, welche Pflanzen bei uns den Winter überstehen.
Der Mönchspfeffer, Vitex agnus-castus, gehört zu den Pflanzen, die zu den Gewinnern der Klimaerwärmung zählen.
Noch vor rund fünfzehn Jahren gehörte er bei uns zu einer Gruppe von Gehölzen, die wir zwar im Sortiment führten, die aber nach harten Wintern regelmäßig bis auf den Boden zurückfroren. In derselben Gruppe stehen die Bartblume
(Caryopteris × clandonensis),

die Säckelblume (Ceanothus)
Ceanothus[/caption]
und die Blauraute (Perovskia abrotanoides).

Mit den milder gewordenen Wintern hat sich das geändert: In Rheinhessen stehen mittlerweile Exemplare des Mönchspfeffers von drei Metern Höhe.
Warum er in den Garten gehört
Die Früchte des Mönchspfeffers wurden, wie der Name schon sagt, früher als Pfefferersatz verwendet — das lässt sich auch heute noch tun.
Blüte des Mönchpfeffers
Das Schönste an ihm ist jedoch, wie auch bei den anderen Pflanzen dieser Gruppe, seine überreiche Blüte, die von vielen Insekten besucht wird. Hinzu kommt die Blütezeit: von Mitte des Sommers bis in den Herbst hinein — also genau dann, wenn im Garten sonst das große Blühen schon vorbei ist.
Beim Standort ist er unkompliziert. Er wächst sowohl auf lehmigen als auch auf sandigen Böden, verträgt Trockenheit, kommt aber ebenso auf frischen Böden zurecht.
Schnitt
Wem der Mönchspfeffer mit den Jahren zu groß wird, der kann ruhig zur Schere oder Säge greifen und ihn auch einmal radikal zurückschneiden. Das verträgt er sehr gut, treibt neu aus und blüht im Sommer wieder überreich.
Auf einen Blick
- Wuchshöhe: in Rheinhessen inzwischen bis zu drei Meter
- Blütezeit: Hochsommer bis in den Herbst
- Boden: lehmig oder sandig, trockenheitsverträglich, auch frisch
- Wertvolle Insektenweide durch überreiche Blüte
- Verträgt radikalen Rückschnitt und blüht danach wieder
- Früchte als Pfefferersatz verwendbar
Noch in Beobachtung: Elsholtzia stauntonii
Eine weitere Pflanze, die wir erst in den letzten Jahren ins Sortiment aufgenommen haben und die wir noch beobachten, werden wir dieser Gruppe wahrscheinlich ebenfalls zuordnen: Elsholtzia stauntonii, der Chinesische Gewürzstrauch. Auch sie galt jahrelang als nicht ganz winterhart.
Im Gegensatz zu den drei oben genannten Pflanzen, die ihre Blüten in verschiedenen Blautönen tragen, blüht sie rosarot. Die Blätter riechen zerrieben angenehm würzig, und es lassen sich verschiedene Tees daraus zubereiten.
Auch sie verträgt Trockenheit und wächst sowohl auf lehmigen als auch auf sandigen Böden. In der Blüte ist sie ein Magnet für Bienen und andere Insekten — was wohl auch an der späten Blütezeit von August bis November liegt.
Was daraus folgt
Wir haben in hundert Jahren viele Sortimentslisten geschrieben. Was sich darin verschiebt, ist keine Mode, sondern die Antwort auf das, was draußen tatsächlich passiert. Der Mönchspfeffer ist dafür ein gutes Beispiel: Vor fünfzehn Jahren eine Pflanze mit Vorbehalt, heute ein verlässlicher Strauch, der über Monate blüht und Insekten trägt.
Wer wissen will, was in seinem Garten dauerhaft funktioniert, fragt am besten dort nach, wo man dieselben Pflanzen seit Jahrzehnten am selben Standort beobachtet.
