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Richtig bewässern: Wie viel Wasser Rasen, Stauden und Bäume wirklich brauchen

Bewässern ist bei Hitze ein Problem. Eigentlich war es das schon immer, denn das richtige Gefühl dafür, wann genug Wasser gegeben ist, fehlt den meisten. Wir wollen uns dem Thema deshalb mit ganz einfachen Worten und Hinweisen nähern.

Das Wasser, das man sieht, nützt der Pflanze nichts

Zur Bewässerung stehen uns etliche Geräte zur Verfügung: Gießkanne, Schlauch, Schlauch mit Brause, Regner, Tropfschläuche. Sie alle sind dazu da, Wasser auszubringen. Der Mensch sieht das Wasser – aber wann ist es genug? Das Wasser, das man sieht, kann die Pflanze nicht aufnehmen. Die Pflanze kann nur aus dem Boden schöpfen. Der Boden ist das Löschblatt, das Medium zwischen dem Wassertropfen und der Aufnahme über die Wurzeln. Dazu muss der Boden ausreichend nass werden – und zwar nass bis in die Tiefe, in der die Wurzeln sitzen. Wie tief das ist, hängt von der Pflanzenart ab:
  • Bei Rasen und Stauden sind es die obersten 10 bis 20 Zentimeter.
  • Bei Sträuchern und Bäumen bis zu einem Meter tief und tiefer.
Wenn wir bewässern, müssen wir genau in diese Tiefen vordringen. Und genau hier werden die meisten Fehler gemacht. Aus Unwissenheit wird vielen Gartenbesitzern viel Geld aus der Tasche gezogen – und am Ende ist es verpufftes Wasser, denn es kommt nicht an den Wurzeln an.

Gießkanne und Schlauchbrause

Alte Zinkgießkannen am Beetrand Althergebracht – und damit ist eine Bewässerung durchaus möglich, wenn lange anhaltend und durchdringend gewässert wird. Gerade bei Bäumen kann das sehr mühsam werden. Eine durchdringende Bewässerung bis in einen Meter Tiefe kann 300 bis 400 Liter Wasser bedeuten, die langsam an der Pflanzstelle versickern müssen. Allerdings muss das bei Lehmböden, die das Wasser am besten speichern können, dann nur einmal die Woche geschehen, in absoluten Hitzeperioden zweimal die Woche.

Regner

Regner auf einer Rasenfläche Dann haben wir die bekannten Regner in unterschiedlichen Ausführungen, vor allem zur Bewässerung von kleinen und großen Flächen. Aber auch hier muss die Menge stimmen. Regner sind nicht wassersparend, und wenn sie zur Unzeit – also zur falschen Tageszeit – laufen, verdunsten 60 bis 70 Prozent des Wassers und kommen gar nicht erst am Boden an. Hinzu kommt: Wer mit Regnern Bäume bewässern will, muss sie zwei Tage laufen lassen, um auf 80 bis 90 Millimeter, also Liter pro Quadratmeter, zu kommen und so größere Tiefen zu erreichen. Vielfach werden Regner noch auf Rasenflächen eingesetzt. Oft wurde mir gesagt: „Ich kann Ihnen versichern, heute Nacht ist die Beregnungsanlage gelaufen.“ Wenn ich dann aber frage, wie viel Wasser denn tatsächlich herausgegangen ist, kann niemand eine Antwort geben. Ich rate deshalb immer, zwei bis drei billige Regenmesser aufzustellen und zu kontrollieren. Bei normalen Temperaturen braucht eine Rasenfläche 20 bis 30 Millimeter pro Quadratmeter und Woche, um grün zu bleiben – am besten auf drei Gaben verteilt. In Hitzeperioden muss die Wassermenge auf 40 bis 50 Millimeter pro Quadratmeter und Woche gesteigert werden. Wenn man sich das einmal ausrechnet und das Wasser aus dem Netz bezieht, ist das ein großer Unkostenfaktor. Hinzu kommt, dass in vielen Städten das Bewässern von Rasen in Hitzeperioden bereits verboten wird. Unsere Prognose ist deshalb: Wenn es mit der Klimaerwärmung so weitergeht, ist der Rasen einfach nicht zu halten. Es gibt aber auch sehr schöne Alternativen – das ist allerdings ein anderes Thema.

Tropfschläuche

Tropfschläuche auf dem Baumschulgelände Um Wasser einzusparen und trotzdem ausreichende Mengen zu bringen, verwendet man heute Tropfschläuche: Schläuche, die in gewissen Abständen Tropfer haben und eine bestimmte Menge Wasser ausbringen. Das ist die modernste, effektivste und wassersparendste Maßnahme, die wir im Moment einsetzen können. Aber noch einmal zurück: Es ist nur das Gerät zum Ausbringen von Wasser. Auch hier muss je nach Pflanzenart genügend Wasser ausgebracht werden, damit der Effekt nicht verpufft, sondern den Pflanzen wirklich zur Verfügung steht.

Schwarz oder braun – und wie viel Schlauch wirklich nötig ist

Meist werden zwei verschiedene Schläuche angeboten: ein schwarzer Tropfschlauch mit 1,1 Liter und ein brauner Tropfschlauch mit 3 Liter. Auf jedem laufenden Meter Schlauch sitzen jeweils drei Tropfer. Jeder Tropfer bringt beim schwarzen Schlauch 1,1 Liter, also 3,3 Liter pro laufendem Meter und Stunde, und beim braunen Schlauch 3 Liter, also 9 Liter pro Quadratmeter und Stunde – alles bei 1 Bar Innendruck. Von den meisten Bewässerungsfirmen wird heute der braune Schlauch eingesetzt, und er wird in Abständen von 15 Zentimetern auf den Boden gelegt. Das ist Unsinn und dient nur dazu, den Gewinn für die Firma zu steigern. Als wir vor 25 Jahren ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben in unserer Baumschule durchführten – wissenschaftlich betreut von der Forschungsanstalt Geisenheim, heute Hochschule Geisenheim –, war die Vorgabe, zwei Stränge des 1,1-Liter-Schlauchs pro laufendem Meter Fläche zu legen. Das genügt, um eine ausreichende Menge Wasser zu geben. Entscheidend ist die Zeit, die man den Schlauch laufen lässt.

Nicht die Uhr entscheidet, sondern der Boden

Leider sind die meisten Anlagen für viel Geld mit Computern ausgerüstet, die nur über Zeitintervalle funktionieren. Und diese sind meist falsch eingestellt: 20 Minuten pro Tag oder zwei- bis dreimal die Woche reichen selbst bei einer Staudenpflanzung nicht aus und sind fachlich falsch. Dann kann man es auch gleich ganz lassen – es gibt genügend Pflanzen, die auch die größte Hitze vertragen, den Garten dementsprechend umzugestalten wäre die billigere Alternative. Viel besser wäre es, diese Schläuche ein- bis zweimal die Woche vier Stunden laufen zu lassen. Der Boden dient als Pufferspeicher, als Löschblatt. Vor allem Lehmböden können das Wasser gut speichern. Es ist deshalb nicht erforderlich, jeden Tag zu wässern – aber wenn man wässert, muss man ausreichend wässern, um die richtigen Bodentiefen zu erreichen. Schon damals in unserem F-und-E-Vorhaben, das von der Bundesrepublik finanziert wurde, haben wir uns mit der Steuerung auseinandergesetzt. Schnell war klar, dass eine reine Zeitsteuerung viele Nachteile hat – vor allem, wenn man verschiedene Pflanzen hat. Deshalb sind unsere Bewässerungscomputer so aufgebaut, dass jedes Magnetventil mit einem Bodenfühler arbeitet. Nicht die Uhr entscheidet also, wann gewässert wird, sondern der Boden selbst.

Gleicher Wasserbedarf an einen Schlauch

Dazu gehört auch, den Bewässerungsschlauch richtig zu legen: Pflanzen mit ähnlichem Wasserbedarf kommen an einen Schlauch, Pflanzen mit anderem Bedarf an einen zweiten. Also zum Beispiel ein Schlauch für Rhododendron mit viel Wasserbedarf und ein eigener für Rosen, die wenig oder gar kein zusätzliches Wasser brauchen.

Bodenfühler – die Anlage reguliert sich selbst

Mit dem Einsatz von Bodenfühlern wird die Anlage selbstregulierend. Es stellt sich ein bestimmtes Wasserniveau im Boden ein, das die Steuerung über die Fühler hält. Dabei gibt es immer eine kleine Differenz: Wird der untere Wert unterschritten, sagt der Bodenfühler dem Computer „Ich brauche Wasser“ – und es kommt Wasser. Wird der obere Wert überschritten, etwa durch natürliche Niederschläge, sagt der Fühler „Ich brauche kein Wasser“ – und die Anlage stellt ab. Die Entwicklung der Bodenfühler geht ebenfalls auf unser damaliges F-und-E-Vorhaben zurück, hat sich seitdem aber enorm weiterentwickelt. Heute verfügen wir über digitalisierte Bodenfühler, die sich in einem bestimmten Bereich höher oder niedriger einstellen lassen. Das ist wichtig: Bei Pflanzen mit hohem Wasserbedarf hebt man das Wasserniveau an, bei niedrigem Bedarf – wie zum Beispiel bei Rosen – senkt man es ab. So kann man speziell auf jede Kultur eingehen. Die exaktesten Bodenfühler kommen von der Firma Bambach in Geisenheim, wissenschaftlich hundertprozentig. Von Privatleuten werden diese allerdings gar nicht benötigt (meist zu teuer). Es reicht, wenn wir ein mittleres Wasserniveau für die Pflanzen erreichen, die ja innerhalb einer bestimmten Differenz ohnehin unterschiedlich reagieren können. Wer Wasser sparen will, stellt auch bei diesen Anlagen ein unteres Wasserniveau ein, das die Pflanze gerade noch akzeptiert. Es ist aber ebenso möglich, der Pflanze den vollen Luxus zu gönnen. Anlagen, die nur über Zeitintervalle gesteuert werden, sind damit obsolet. Der Bodenfühler ist die Brücke für all jene, die kein Gefühl und keine Ahnung davon haben, welches Wasserniveau ihre Pflanzen brauchen.

Warum immer noch Computer verkauft werden, die über Zeitintervalle regulieren

Leider werden Bewässerungscomputer mit Zeitintervallen bis heute als der letzte Schrei verkauft. Diese Firmen haben das Problem durchaus erkannt – dass den meisten Leuten das Fachwissen über die richtige Bewässerungsmenge fehlt –, sind aber nicht bereit, ihre Computer umzubauen, denn das kostet viel Geld. Stattdessen bieten sie eine App an, mit der der Privatkunde die Bewässerungszeiten jeden Tag je nach Witterung neu einstellen kann. Im äußersten Fall lässt sich ein Fühler anschließen – das ist ungenügend. Das umgeht das eigentliche Problem nur. Denn selbst in den Fachbetrieben fehlt es heute an Fachkräften, die wissen, wie man richtig wässert. Und so wie ich es sehe, kommen da auch keine mehr nach: Im Produktionsgartenbau, wo man es lernen würde, wird nur noch selten ausgebildet. Also führt in Zukunft kein Weg mehr am Bodenfühler vorbei.

Ein Schadensfall in Wiesbaden

Bei einem Schadensfall hier in Wiesbaden, wo wirklich teure und große Bäume gepflanzt worden waren, hatten wir Herrn Prof. Kehr als Berater hinzugezogen – eine Koryphäe auf dem Gebiet. Dabei fielen wieder zwei richtungsweisende Aussagen: „Bei der Pflanzung von so teuren Bäumen könnte man doch wirklich den Einsatz eines Bodenfühlers empfehlen. Oder wie früher – da gab es Leute, die konnten solche Bäume richtig bewässern.“ Auf die Nachfrage, wie sie das denn damals gemacht hätten, kam die Antwort: „Die haben 1000 Liter Wasser bis in die untersten Regionen der Baumwurzel gegeben, dann ein bis zwei Wochen ausgesetzt – die Pflanze musste sich in dieser Zeit aus dem Boden, also seiner Speicherfähigkeit bedienen und durchbeißen –, und dann wurden wieder 1000 Liter gegeben.“ Das sorgt dafür, dass die Pflanze gezwungen wird, das nötige Wurzelwerk auszubilden, aber trotzdem genug zum Leben hat.

Ein Beispiel aus der eigenen Familie

Mein Schwiegersohn ist gelernter Schlosser, also Metallhandwerker, und hat von Bewässerung keine Ahnung – auch nicht von Pflanzen, geschweige denn davon, wie viel Wasser sie brauchen. Ihm habe ich erklärt, wie selbstregulierende Bewässerungsanlagen funktionieren. Und das muss ich zugeben: Er hat es exzellent umgesetzt. Den einzigen Vorwurf, den ich ihm mache: Er hat keinen professionellen Computer eingesetzt, sondern eine Marke, die im Privatbereich und in den Baumärkten beheimatet ist. Mit dieser Firma hatte ich hinsichtlich der Haltbarkeit so meine Probleme. Mein Schwiegersohn meint dazu allerdings, er habe fünf Jahre Garantie, das werde ihm reichen. Und was ich unumwunden zugeben muss: Meine Forderung nach dem Einsatz von Bodenfühlern hat diese Firma mit ihrem Computer vollauf erfüllt. Viele Fachkräfte aus dem Garten- und Landschaftsbau stehen heute mit staunenden Augen vor der Rasenfläche meines Schwiegersohns – auch jetzt in der Hitze – und können gar nicht glauben, dass er sich fast überhaupt nicht um die Steuerung kümmert. Denn die Anlage regelt je nach Witterung selbst. Und so muss es in Zukunft sein: Wenn man überhaupt Geld für eine Bewässerungsanlage ausgibt, dann so.

Und ganz ohne Bewässerung?

Wie gesagt, das ist eigentlich ein anderes Thema – aber man kann einen Garten auch so gestalten, dass er nach der Anwachsphase überhaupt keine Bewässerung mehr braucht. Die Pflanzenauswahl ist dann zwar etwas eingeschränkt, aber immer noch vollkommen ausreichend. Als Beispiel eine Staudenmischung wie Silbersommer von Prof. Kirchner Bernburg schafft es auch ohne Bewässerung.

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