Im Moment bekommen wir jede Menge Anfragen nach Pflanzungen im September. Wir bieten dann Pflanzen im Topf oder Container an — das geht zu dieser Zeit. Allerdings sind sie teurer, und bis Ende Oktober muss weiterhin intensiv und durchgehend gewässert werden.
Viel einfacher und natürlicher geht es mit Ballenware. Aber davor warnen wir: Vor Mitte Oktober sollte man keine Ballenpflanzen setzen. Für Laubgehölze mit Ballen gilt sogar Anfang November. Ich verweise da gern auf den alten bäuerlichen Stichtag: Gepflanzt wird ab dem Hochheimer Markt.

Was „abschließen“ bedeutet
Fachlich möchte ich das noch einmal erklären. Die Pflanzen müssen oberirdisch abgeschlossen haben. Bei Koniferen geschieht das meist ab Anfang bis Mitte Oktober. Bei Laubgehölzen erst mit dem Laubfall — oder wenigstens dann, wenn die Herbstfärbung eingesetzt hat.

Sobald man die Herbstfärbung sieht, ist das ein Zeichen: Die Pflanze hat zwischen Blatt und Zweig eine Korkschicht eingezogen und schränkt damit die Verdunstung ein. Sie bereitet sich vor.
Warum zu früh gerodete Bäume Schaden nehmen
Viele Probleme mit Pflanzen, vor allem mit hochstämmigen Laubgehölzen, kommen daher, dass sie zu früh gerodet werden — meist noch im grünen Zustand. Die enorme Verdunstung bis zum endgültigen Blattabfall sorgt dafür, dass der Pflanze innerlich Wasser fehlt.
Das macht sich meist erst beim Neuaustrieb im nächsten Jahr bemerkbar. Stämme reißen auf. Es entstehen große Wunden, die schlecht verheilen. Und es fehlt die Kraft für den Neuaustrieb.
Man sieht der Pflanze beim Kauf nichts davon an. Man sieht es ein Jahr später.
Was richtig gepflanzte Bäume den Winter über tun
Ab November, nach dem Laubfall gepflanzt, tun die Pflanzen etwas, das die meisten gar nicht mehr wissen oder nicht sehen: Sie treiben den ganzen Winter über Wurzeln. Und wenn es im Frühjahr dann schnell heiß und trocken wird, treiben sie aus und haben gegenüber allen später gepflanzten Pflanzen einen enormen Vorsprung. Das ist wichtig, gerade wenn wir an die Klimaerwärmung denken.
Deshalb raten wir zur Pflanzung im November oder über den Winter — also von November bis Anfang April.
Fragen Sie doch einmal einen Bauern, warum er am liebsten Wintergetreide anbaut. Frost und Kälte bremsen den oberirdischen Trieb, die Pflanze steckt ihre Kraft stattdessen in üppiges Wurzelwachstum — und das bringt am Ende deutlich mehr Ertrag als Sommergetreide.
Auch Blumenzwiebeln sollten bis Weihnachten gepflanzt sein, damit sie ausreichend Wurzeln bilden.
Dieses Wissen ist älter als wir denken
Und wenn man sich die Geschichte ansieht: Hier in der Gegend sind Siedlungsspuren der Bandkeramiker ausgegraben worden, 6.000 bis 6.500 Jahre alt. Sie waren aus Anatolien eingewandert, aus einem Klima mit sehr heißen Sommern und eiskalten Wintern. Ihre Erfahrung brachten sie mit und passten sie an unser Klima an. Auch die wussten schon, warum sie blieben und wann sie aussäten.
Warum es trotzdem anders gemacht wird
Leider ist das vielfach in Vergessenheit geraten, weil viele meiner Kollegen Marketing einsetzen, um früh im Jahr Umsätze zu erzeugen. Fachlich ist das falsch.
Man sollte mit den Pflanzen und mit der Natur leben — nicht gegen sie.
