Winter 2026 – Ein kurzer Besuch der Kälte
Unerwartet und entgegen vieler Prognosen erleben wir im Januar 2026 wieder einen Hauch von Winter. Die untersten Temperaturen im Rhein-Main-Gebiet liegen zwischen –1 und -5 Grad – nicht extrem, aber spürbar. Für die Natur ist das eine wichtige Erholungspause. Noch mehr Niederschläge würden diesen Effekt verstärken.
Doch trotz dieser kühleren Phase bleibt ein Problem bestehen: Eigentlich müssten die Temperaturen 2–3 Grad niedriger sein, um an die Winter anzuknüpfen, die wir aus früheren Jahrzehnten kennen. Dieser scheinbar kleine Unterschied hat große Auswirkungen auf unsere heimische Flora und Fauna.
Was zwei Grad wirklich bedeuten
Viele Pflanzen und Tiere geraten durch die milden Winter unter Dauerstress. Dieser Stress macht sie anfällig für sekundäre Krankheiten – Pilze, Viren und Bakterien haben leichtes Spiel. Die Folge: Pflanzen werden kurzlebig, sterben früher ab und ganze Bestände verschwinden.
Unsere heimische Natur verändert sich seit Jahren. Schutzmaßnahmen laufen oft ins Leere, weil sich die Rahmenbedingungen schneller ändern, als wir reagieren können. Hart gesagt: Ein großer Teil der Flora und Fauna, die wir vor 30 Jahren noch kannten, ist heute bereits auf dem Rückzug. Wissen und Erfahrung fehlen zunehmend – und soziale Medien können das nicht ersetzen.
Verlierer und Gewinner des
Klimawandels
Verlierer
Arten wie
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Eberesche
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Birke
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Weide
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Pappel
können nur noch an wenigen, dauerhaft feuchten Standorten langfristig überleben. An anderen Standorten, Neu gepflanzt entwickeln sie oft schon nach kurzer Zeit Krankheiten und fallen nach wenigen Jahren ganz aus.
Gewinner
Zu den Profiteuren gehören Arten wie z. B. die heimische Eibe, die von uns unerwartet auch volle Sonne und Trockenheit gut verträgt. Dazu kommen viele neue Arten, die aus wärmeren Regionen einwandern. Unsere Landschaft entwickelt sich zunehmend in Richtung einer Vegetation, wie man sie aus der Toskana kennt.
Wer Richtung Darmstadt fährt, sieht vertrocknende Buchenbestände, unter denen sich Robinien (Robinia pseudoacacia) ausbreiten – ein Bild, das man aus Mittelitalien kennt.(z.b. Montecateni alto, eine Altstadt in der Toskana auf einem Hügel mit umgebenden Akazienwald)
Der Wandel in unseren Gärten
Auch private Gärten spiegeln diese Entwicklung wider. Viele klassische Arten wie Fichten, Thujas oder Zierjohannisbeeren verschwinden. Gleichzeitig erleben trockenheitsverträgliche Pflanzen wie
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Mönchspfeffer
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Sommerflieder
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Caryopteris
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Perovskia
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bei den Stauden
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Artemisia-Arten
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Gaura
eine Renaissance.
Eine Kundin sagte mir einmal: „Ich will ja nicht nur Kakteen im Garten haben, deshalb habe ich in eine Bewässerungsanlage investiert.“
Doch oft wird viel Geld in die falsche Richtung investiert. Sinnvoller ist es, mit der Natur zu arbeiten statt gegen sie.
Gärten, die auch in Zukunft bestehen
Mit guter Planung und etwas Bewässerung zum Anwachsen im ersten Jahr lassen sich artenreiche, schöne und langlebige Gärten gestalten – ganz ohne dauerhafte Bewässerung. Beispiele dafür sind z.b die trockenheitsresistenten Staudenmischungen des Bundes Deutscher Staudengärtner.
Auch bei Bäumen ist die richtige Auswahl entscheidend. In Neubaugebieten wie Nordenstadt zeigt sich, wie wichtig Fachwissen ist – und wie selten es geworden ist. Viele Gartenbetriebe setzen auf schnelle Lösungen statt auf nachhaltige Konzepte.
Ein Beispiel aus Nordenstadt
Um zu zeigen, wie ein zukunftsfähiger Garten aussehen kann, fuhr ich mit einer Kundin in den alten Ortskern von Nordenstadt. Dort gibt es nur wenige schöne Gärten – aber einer stach heraus. Die Besitzerin erlaubte uns einen Blick hinein.
Die Kundin war begeistert und sagte spontan: „Das ist mein Garten.“
Die Besitzerin lächelte und antwortete: „Nein, das ist mein Garten. Ihren müssen Sie selbst gestalten. Dafür gibt es zwei Wege: Entweder Sie fragen jemanden, der sich auskennt – oder Sie suchen eine der wenigen Firmen, die das wirklich können.“
